Google und SpaceX planen Rechenzentren im Orbit – erste Prototypen bis 2027

Google und SpaceX planen Rechenzentren im Orbit – erste Prototypen bis 2027

Google und SpaceX verhandeln über Rechenzentren direkt in der Erdumlaufbahn. Unter dem Namen Project Suncatcher sollen bis Anfang 2027 zwei Prototypen-Satelliten gemeinsam mit dem Erdbeobachtungsunternehmen Planet Labs ins All starten, berichtet das Wall Street Journal. Der Antrieb hinter dem Vorhaben: KI-Systeme brauchen immer mehr Strom, und der wird auf der Erde immer teurer und knapper.

Die Idee dahinter

Im Orbit scheint die Sonne rund um die Uhr ohne atmosphärische Verluste – Solarenergie ist dort deutlich ergiebiger als auf dem Boden. Dazu entfallen Kosten für Grundstücke, Kühlwasser und – in vielen Ländern zunehmend drückende – CO₂-Abgaben. Google hat seine Trillium-TPUs (speziell entwickelte KI-Chips) bereits in einem Teilchenbeschleuniger unter simulierter Weltraumstrahlung getestet; die Ergebnisse sollen positiv ausgefallen sein.

Für SpaceX kommt das Projekt zum richtigen Zeitpunkt: Das Unternehmen strebt einem Börsengang mit einer angestrebten Bewertung von rund 1,75 Billionen Dollar entgegen, der Roadshow-Termin ist für Juni 2026 geplant. Orbitale KI-Infrastruktur ist dabei ein zentrales Argument gegenüber Investoren – neben Starlink und der KI-Sparte. Google hatte SpaceX bereits 2015 rund 900 Millionen Dollar investiert.

Das Kostenproblem

Die Rechnung klingt verlockend, hat aber einen Haken. Laut Data Center Dynamics kosten orbitale Rechenzentren derzeit das Dreifache vergleichbarer Anlagen am Boden. Der Kilogrammpreis für einen Raketenstart liegt bei 1.500 bis 2.900 Dollar; Googles eigenes Modell setzt Wirtschaftlichkeit erst bei 200 Dollar pro Kilogramm an – erreichbar frühestens 2035, wenn Starship auf 180 Starts pro Jahr kommt. Das ist eine Wette auf SpaceX-Ausführung, nicht auf Physik.

Hinzu kommen handfeste technische Hürden: Strahlungsschäden an Elektronik, Wärmemanagement ohne Luft, Datenlatenzen beim Rückübertragen auf die Erde – und das wachsende Problem mit Weltraumschrott. SpaceX selbst warnte Investoren im IPO-Prospekt ausdrücklich, dass orbitale KI-Infrastruktur möglicherweise nie kommerziell rentabel wird.

Was das für den deutschen Markt bedeutet

Hierzulande fehlen Gegenspieler: Deutsche Unternehmen wie Rocket Factory Augsburg oder die ESA-nahen Industriepartner sind an den Gesprächen nicht beteiligt. IEEE Spectrum zufolge gibt es noch keinen belastbaren Regulierungsrahmen für orbitale Datenspeicherung – weder auf EU- noch auf nationaler Ebene. Das KI-Gesetz der EU regelt keine Satelliten-Jurisdiction; wessen Datenschutzrecht gilt für Server, die über Deutschland fliegen, ist ungeklärt.

Dabei hätte das Konzept hierzulande durchaus einen Reiz: Stromengpässe durch den KI-Boom belasten Netzbetreiber in Deutschland bereits spürbar. Ob Space-Compute diese Lücke schließen kann, hängt jedoch von Kostensprüngen ab, die noch niemand zuverlässig vorhersagen kann. Die ersten echten Antworten liefern die Prototypen – wenn sie 2027 überhaupt abheben.

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