Maholo LabDroid: Japans Roboter-Labor arbeitet ohne Menschen

Maholo LabDroid: Japans Roboter-Labor arbeitet ohne Menschen

Das Institute of Science Tokyo hat Mitte April 2025 das weltweit erste vollständig unbemannte medizinische Forschungslabor eröffnet. Zehn humanoide Roboter des Typs Maholo LabDroid arbeiten dort rund um die Uhr – ohne Pausenbedarf, ohne Ermüdungsfehler. Japan will damit seinen Rückstand im globalen Wettlauf um KI-gestützte Arzneimittelforschung aufholen.

Der Roboter

Maholo LabDroid ist ein zweiarmiger Humanoid, entwickelt vom japanischen Staatsinstitut AIST gemeinsam mit dem Industrierobotik-Hersteller Yaskawa Electric. Seit 2017 läuft er bereits im Klinikum Kobe bei der Erforschung induzierter pluripotenter Stammzellen. Am neuen Robotics Innovation Center in Tokio übernimmt jede Einheit bis zu 1000 Aufgaben täglich: Reagenziendosierung, Zellkultivierung, Bedienung von Kühl- und Temperaturgeräten. Laborleiter Keiichi Nakayama erklärt, die Roboter könnten Forschungszyklen um das 10- bis 100-fache beschleunigen.

Japan hält laut aktuellen Zahlen 46 Prozent des globalen Markts für Industrieroboter und investiert gezielt in Laborautomation – auch weil der Fachkräftemangel durch die alternde Bevölkerung wächst. Der Plan: bis 2040 auf 2000 Maholo-Einheiten skalieren und den gesamten Zyklus von der Hypothese bis zur Ergebnisverifizierung automatisieren.

Der Vergleich mit den USA

Während Japan auf universell einsetzbare Humanoide setzt, fahren US-amerikanische und chinesische Anbieter eher auf spezialisierte Fließbandsysteme. Das amerikanische Biotechunternehmen Insilico Medicine betreibt seit Dezember 2022 das vollrobotisierte Labor LifeStar1 und ergänzte es im März 2025 um einen zweibeinigen Humanoid namens Supervisor. Das Ergebnis: Wirkstoffkandidaten werden in 12 bis 18 Monaten entwickelt statt in den üblichen 2,5 bis 4 Jahren – mit nur 60 bis 200 synthetisierten Molekülen pro Programm. Zehn Präparate haben bereits FDA-Zulassungsverfahren durchlaufen.

Nakayama besteht darauf, dass Maholo vielseitiger sei: Der Roboter führe verschiedene Feinmotorikaufgaben aus, ohne dass das Equipment umgerüstet werden müsse.

Deutschland und Europa

Hierzulande spielen KUKA aus Augsburg und der Schweizer Konzern ABB in der Laborautomation eine Rolle, ebenso Anton Paar bei Messtechnik. Maholo hat jedoch keine bekannte Präsenz auf dem deutschen Markt, und kein europäischer Hersteller hat bislang einen vergleichbaren medizinischen Humanoid angekündigt. Der EU AI Act schafft zwar einen Rahmen für KI-gestützte Systeme, doch konkrete Regelungen für vollständig unbemannte klinische Labore ohne Aufsichtspersonal vor Ort fehlen noch.

Nakayamas Vision klingt weitreichend: „KI kann eine Hypothese formulieren, sie testen und einen Artikel schreiben – ohne menschliche Beteiligung." Die Frage der Verantwortlichkeit bei Fehlern in einem rein autonomen Labor bleibt dabei offen.

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