12 Milliarden Dollar für KI-Fluglotsen: USA modernisieren ihre Luftraumkontrolle

12 Milliarden Dollar für KI-Fluglotsen: USA modernisieren ihre Luftraumkontrolle

Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA investiert 12,5 Milliarden Dollar in ein KI-System namens SMART (Strategic Management of Airspace Routing Trajectories), das Engpässe im Luftraum künftig bis zu zwei Stunden im Voraus erkennen soll. Bisher können Fluglotsen Konflikte nur etwa 15 Minuten vorher absehen. Das Vorhaben ist Teil eines 32,5-Milliarden-Dollar-Programms zur Modernisierung einer Infrastruktur, die teils noch auf Disketten und Papierstreifen basiert.

Die drei Bewerber

Drei Unternehmen konkurrieren um den Hauptauftrag: der US-Datenanalysespezialist Palantir, der französische Rüstungs- und Luftfahrttechnikkonzern Thales SA sowie das Startup Air Space Intelligence (ASI). Palantir hat sich bereits über frühere FAA-Verträge im Wert von bis zu 11 Millionen Dollar in der Behörde etabliert und erhielt Anfang April eine Sonderfreigabe für Datenmodernisierungsarbeiten – ein struktureller Vorteil gegenüber den Mitbewerbern. Thales bringt 85 Jahre Erfahrung im Bereich Flugverkehrsmanagement mit, ASI hingegen kann auf eine reale Bewährungsprobe verweisen: Seit 2021 läuft die Plattform Flyways bei Alaska Airlines und deckt bereits rund 40 Prozent des US-Flugverkehrs ab.

Was das System kann – und was nicht

SMART ist kein automatischer Pilot für den Luftraum. Das System soll Planern helfen, Abflugszeiten Tage oder Wochen im Voraus anzupassen, bevor Staus entstehen. Menschliche Fluglotsen behalten die Entscheidungshoheit; die KI liefert Empfehlungen, keine Anweisungen. Die Gewerkschaft der US-Fluglotsen (NATCA) unterstützt das Konzept grundsätzlich, besteht aber auf dieser Rollentrennung – nicht zuletzt, weil akuter Personalmangel den Druck erhöht, Systeme schneller einzuführen als sorgfältig geprüft.

Skepsis ist berechtigt

Sicherheitsexperten mahnen zur Vorsicht. KI-Modelle können fehlerhafte Prognosen als verlässliche Vorhersagen ausgeben – in sicherheitskritischen Systemen ein ernstes Problem. Historisch ist Misstrauen gegenüber FAA-Großprojekten ohnehin angebracht: Das Vorläuferprogramm NextGen kostete über 36 Milliarden Dollar, lief zwei Jahrzehnte und lieferte nur 16 Prozent der versprochenen Vorteile. Transport Secretary Sean Duffy nennt 2026 als Zieldatum für den operativen Betrieb – Branchenbeobachter wie The Air Current halten das eher für eine Demonstration als eine vollständige Einführung.

Europa geht einen anderen Weg

Während die USA auf ein einzelnes Großprojekt setzen, verfolgt Europa mit dem SESAR-Programm (350 Millionen Euro) einen koordinierten Ansatz unter EUROCONTROL. EUROCONTROL setzt KI bereits operativ für Verspätungsvorhersagen ein. Entscheidend ist dabei der regulatorische Rahmen: Der EU AI Act stuft Flugverkehrskontrolle als Hochrisikosystem ein, die EASA hat mit ihrer AI Roadmap 2.0 klare Governance-Vorgaben formuliert. Ein direktes Äquivalent zu SMART ist in Europa nicht geplant – das macht Thales' Rolle im FAA-Wettbewerb strategisch interessant: Gelingt dem Konzern der Zuschlag in den USA, stärkt das seine Position auch bei künftigen europäischen Ausschreibungen erheblich.

Fügen Sie Gagadget zu Ihrem Google News-Feed hinzu Google News
var _paq = window._paq = window._paq || []; _paq.push(['trackPageView']); _paq.push(['enableLinkTracking']); (function() { var u='//mm.magnet.kiev.ua/'; _paq.push(['setTrackerUrl', u+'matomo.php']); _paq.push(['setSiteId', '9']); var d=document, g=d.createElement('script'), s=d.getElementsByTagName('script')[0]; g.async=true; g.src=u+'matomo.js'; s.parentNode.insertBefore(g,s); })();