Lenovo kauft Phoenix Technologies: Warum der PC-Hersteller jetzt sein eigenes BIOS besitzt
Lenovo hat die Firmware-Sparte von Phoenix Technologies übernommen – und damit einen der ältesten BIOS-Entwickler der Branche. Die Übernahme umfasst das in Dublin ansässige Unternehmen, das gesamte geistige Eigentum sowie das Entwicklungsteam. Wer ein ThinkPad besitzt, hat Phoenix-Code auf seinem Gerät – das ändert sich jetzt: Der Code gehört künftig Lenovo allein.
Was Phoenix Technologies ist
Phoenix Technologies wurde 1979 gegründet und spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau der PC-Industrie. Das Unternehmen entwickelte damals einen BIOS-Code, der mit IBM-PCs kompatibel war und es anderen Herstellern ermöglichte, eigene Rechner zu bauen. 2005 gehörte Phoenix zu den Gründungsmitgliedern des UEFI Forums – dem Gremium, das den modernen Nachfolger des klassischen BIOS standardisiert hat. Seit 2010 lieferte Phoenix seine Firmware auch an Dell und andere Gerätehersteller.
Zum übernommenen Portfolio gehören:
- Phoenix SecureCore für Client-Geräte - ServerBMC für die Serververwaltung - Phoenix OmniCore und UEFI/BIOS-Hilfsprogramme - FirmCare zur Überwachung der Firmware-Sicherheit
Vertikale Integration als Strategie
Für die meisten Nutzer ist das BIOS unsichtbar – es startet im Hintergrund, bevor Windows überhaupt lädt. Für Hersteller ist es jedoch ein entscheidender Hebel: Wer den Firmware-Code kontrolliert, kann Sicherheitsupdates schneller ausrollen, Hardware enger mit Software verzahnen und muss nicht auf Patches externer Anbieter warten.
Dell und HP beziehen ihre Firmware weiterhin von Drittanbietern wie Insyde oder AMI. Lenovo besitzt diese Schicht nun exklusiv – ein Vorteil, der sich besonders bei Unternehmenskunden bemerkbar machen dürfte. Bereits im November 2024 hatte Lenovo mit ThinkShield Firmware Assurance eine Sicherheitslösung auf Firmware-Ebene für Zero-Trust-Umgebungen eingeführt – die Übernahme von Phoenix ist der logische nächste Schritt.
Ein weiteres Ziel ist das KI-PC-Segment. Moderne KI-Anwendungen benötigen präzise Ressourcenverwaltung noch vor dem Start des Betriebssystems. Wer das UEFI kontrolliert, kann genau dort ansetzen – ähnlich wie Apple es mit seinem eigenen Silicon bereits tut.
Kein Einfluss auf Verfügbarkeit
ThinkPad- und ThinkCentre-Geräte bleiben in Deutschland unverändert erhältlich. Für Endkunden ändert sich zunächst nichts Sichtbares. Die Phoenix-Firmware wird allerdings nicht mehr separat an andere Windows-Hersteller lizenziert – Lenovo hat damit einen Technologievorteil, den Wettbewerber kurzfristig nicht ausgleichen können.
Der Kaufpreis wurde laut Lenovo-Pressemitteilung nicht genannt. Das Dublin-Team bleibt EU-ansässig; ein weiterer Forschungsstandort in London soll ausgebaut werden.