DeepSeek V4 Pro: Chinas KI läuft jetzt auf Huawei-Chips
DeepSeek hat am 24. April 2026 zwei neue Sprachmodelle vorgestellt: V4 Pro und V4 Flash. Beide sind Open Source, verarbeiten bis zu einer Million Token Kontext und laufen erstmals nativ auf Huaweis Ascend-Chips – statt wie die Vorgänger ausschließlich auf Nvidia-Hardware. Damit demonstriert China, dass sich eine leistungsfähige KI-Infrastruktur unabhängig von US-Exportkontrollen aufbauen lässt.
Der Chip-Wechsel
Die Umstellung auf Huawei Ascend war kein schneller Port, sondern ein tiefer Eingriff in den Software-Stack. DeepSeek musste laut CNBC Architekturentscheidungen grundlegend überarbeiten, um stabile Skalierbarkeit auf dem chinesischen Silizium zu erreichen. Ob das Training vollständig auf Ascend-Chips lief oder nur Inferenz und Langkontext-Funktionen, bleibt unklar – MIT Tech Review zitiert Experten, die von einer nur teilweisen Verlagerung ausgehen. Für die Inferenz bestätigt Huawei den Ascend 950 offiziell als unterstützte Hardware.
Das Ergebnis ist beachtlich: V4 Pro übertrifft laut eigenen Benchmarks alle offenen Modelle beim Weltwissen und landet hinter lediglich einem geschlossenen Modell – Google Gemini-3.1-Pro. Für ein System, das unter Sanktionsdruck auf heimisches Eisen umgerüstet wurde, ist das ein bemerkenswerter Befund.
Preise und Verfügbarkeit
DeepSeek bietet V4 Pro zum Standardpreis von 1,74 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 3,48 Dollar je Million Ausgabe-Token an. Bis zum 5. Mai 2026 gilt ein Rabatt von 75 Prozent, der den Eingabepreis auf rund 0,036 Dollar drückt – zum Vergleich: GPT-5.5 kostet 5 Dollar Eingabe und 30 Dollar Ausgabe pro Million Token. V4 Flash ist mit 0,14 Dollar Eingabe und 0,28 Dollar Ausgabe noch günstiger, wie gHacks berichtet.
Zugang gibt es über die DeepSeek-API und OpenRouter. Einen deutschen Cloud-Partner oder eine Einbindung bei hiesigen Anbietern hat DeepSeek bislang nicht bekanntgegeben. Wer die Modell-Gewichte lieber selbst betreiben will, kann sie unter MIT-Lizenz von Hugging Face herunterladen – ohne Genehmigungspflicht.
Was das für den europäischen Markt bedeutet
Die Entwicklung zeigt eine wachsende Lücke zwischen europäischer und chinesischer KI-Infrastruktur. Während die EU mit dem AI Act und dem Chips Act auf regulatorische und industriepolitische Antworten setzt, baut China ein geschlossenes Hardware-Software-System auf. Europäische Anbieter wie Mistral sind reine Software-Unternehmen ohne eigene Chip-Basis. Für Entwickler hierzulande ist V4 vor allem jetzt interessant: günstiger Zugang zu einem Frontier-Modell, solange der Rabatt läuft.