Guerrilla-Mitgründer baut europäische Alternative zu Unreal Engine – mit KI im Kern
Arjan Brussee, Mitgründer von Guerrilla Games und acht Jahre lang leitender Produktmanager bei Epic Games, arbeitet an einem neuen Spiele-Motor namens The Immense Engine. Das Projekt positioniert sich als europäische Alternative zu Unreal Engine und Unity – ohne Abhängigkeit von US- oder chinesischen Plattformen. Konkrete Markteinführungstermine oder Studiopartnerschaften gibt es bislang nicht.
Der Ansatz
Brussee erklärte in einem Gespräch mit dem niederländischen Podcast De Technoloog, dass bestehende Motoren wie Unreal Engine fundamental veraltet seien. Sein Ansatz: KI-Agenten nicht nachträglich einbauen, sondern von Grund auf in den Entwicklungsprozess integrieren. Nach seiner Einschätzung könnte ein einzelner Entwickler mit dem richtigen KI-Framework die Arbeit von 10 bis 15 Personen leisten – eine Behauptung, die er bislang nicht mit Daten belegt hat.
The Immense Engine soll ausschließlich auf europäischer Infrastruktur laufen und damit Anforderungen des EU AI Acts sowie europäischer Datenschutzregelungen erfüllen. Allerdings: Aktuelle KI-Agenten-Stacks stammen überwiegend von US-Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic. Wie weit die versprochene Unabhängigkeit tatsächlich reicht, bleibt offen.
Der Markt
Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Nach dem Unity-Preisschock von 2023 – das Unternehmen wollte rückwirkend Gebühren pro Installation erheben – suchen viele Studios nach Alternativen. Unreal Engine dominiert mit einer Umsatzbeteiligung von fünf Prozent ab einer Million Dollar Einnahmen. Für kleinere Studios ist das ein spürbarer Kostenfaktor.
In Deutschland fehlt seit dem Bedeutungsverlust der CryEngine ein etablierter heimischer Spiele-Motor. Studios wie Daedalic haben jahrelang auf externe Lösungen gesetzt. Ob The Immense Engine diese Lücke schließen kann, hängt davon ab, ob Brussee Partnerschaften, Werkzeuge und Dokumentation liefert – davon ist bislang nichts angekündigt.
Der Hintergrund
Brussees Lebenslauf verdient Aufmerksamkeit. Er programmierte in den 1990er-Jahren Jazz Jackrabbit für Epic, gründete danach Guerrilla Games in den Niederlanden und begleitete die Entwicklung der Decima-Engine – jenem Motor, den Guerrilla für die Horizon-Reihe entwickelte und den Hideo Kojima für Death Stranding nutzte. Sony plant laut Berichten vom Mai 2025, Decima künftig auch an Drittentwickler zu lizenzieren. Das zeigt: Europäische Spiele-Motoren können sich am Markt behaupten – wenn Umsetzung und Ökosystem stimmen.
The Immense Engine steckt noch in der frühen Entwicklungsphase. Ein niederländisches Startup finanziert das Projekt; wer konkret dahintersteckt und wie groß das Team ist, ist nicht bekannt. Die Idee ist überzeugend – die Frage ist, ob sie mehr bleibt als eine Idee.
Quelle: BNR