Wellen statt Steckdosen: Panthalassa baut KI-Rechenzentren mitten im Ozean
KI-Rechenzentren verschlingen so viel Strom, dass selbst große Versorger ins Schwitzen geraten – auf dem deutschen Markt wie weltweit. Das Startup Panthalassa aus Portland, Oregon, versucht dieses Problem mit einem ungewöhnlichen Ansatz zu lösen: Rechenzentren, die mitten im Ozean treiben und ihre Energie direkt aus Meereswellen gewinnen. Dafür hat das Unternehmen jetzt 140 Millionen Dollar in einer Series-B-Runde eingesammelt, angeführt von Peter Thiel über seinen Founders Fund. Das Gesamtkapital steigt damit auf 210 Millionen Dollar, berichtet GeekWire (May 2026).
Die Idee
Das eigentliche Problem der Wellenenergie war nie die Stromerzeugung selbst, sondern der Transport: Unterseeische Kabel von der Hochsee ans Festland sind teuer und fressen die wirtschaftlichen Vorteile schnell auf. Panthalassa dreht den Gedanken um – statt die Energie zum Verbraucher zu bringen, zieht der Verbraucher zur Energie.
Große sphärische Schwimmkörper wandeln die Wellenbewegung in Strom um. In denselben Strukturen sind Serverracks untergebracht, die speziell für KI-Inferenz – also die Ausführung bereits trainierter Modelle – optimiert sind. Die Verbindung zur Außenwelt läuft über Satelliten im niedrigen Erdorbit. Kühlung übernimmt das Meerwasser selbst, was eine deutlich dichtere Packung der Hardware erlaubt als bei klassischen Luftkühlsystemen an Land.
Der Markt
Der Bedarf ist real: Allein in den USA werden 2026 rund 765 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren investiert, während Genehmigungsverfahren und Netzengpässe immer mehr Projekte ausbremsen. Ähnliche Engpässe gibt es hierzulande – deutsche Netzbetreiber warnen seit Jahren vor Kapazitätsproblemen, und Kühlwasser ist in manchen Regionen knapp.
TechRadar (May 2026) verweist auf asiatische Unterwasser-Rechenzentrumsmodelle als Vergleich; im europäischen Wellenenergie-Sektor sind CorPower Ocean aus Schweden und das britische Marine Power Systems aktiv, beide bereits mit über 100 Millionen Dollar finanziert. Einen deutschen oder österreichischen Anbieter in diesem Segment gibt es bislang nicht.
Panthalassa ist kein Papierprojekt. Seit der Gründung 2016 hat das Unternehmen mehrere Prototypen erprobt: Ocean-1, Ocean-2 und Wavehopper wurden 2021 und 2024 getestet. Für 2026 ist die Pilotproduktion des Modells Ocean-3 geplant, der kommerzielle Betrieb soll 2027 beginnen. Das 120-köpfige Team produziert die Komponenten in Oregon.
Offene Fragen
Wie hoch die Wartungskosten auf See wirklich ausfallen und welche Latenzen die Satellitenverbindung im Produktivbetrieb verursacht, ist noch nicht belastbar belegt. Für einen Einsatz in europäischen Gewässern kämen zusätzliche Hürden hinzu: Maritime Raumordnung, Habitatschutzrichtlinien und ungeklärte Fragen zur Datensouveränität in wirtschaftlichen Ausschlusszonen würden jeden Rollout deutlich komplizierter machen als in den USA.
Zum Vergleich: Das Raumfahrt-Startup Starcloud erreichte im März eine Bewertung von über einer Milliarde Dollar mit dem Plan, Rechenzentren ins All zu schicken. Beide Ansätze lösen dasselbe Problem – überlastete Landnetze –, aber auf sehr unterschiedlichen Wegen.