Netflix testet eigene KI-Sprachsuche – und umgeht damit Google und Amazon
Netflix führt eine eigene KI-gestützte Sprachsuche ein, die ohne Google Assistant, Siri oder Alexa auskommt. Die Funktion nutzt ChatGPT von OpenAI und ist seit Mai 2026 in einer Beta-Phase für ausgewählte Abonnenten in den USA, Australien und Neuseeland verfügbar. Wann sie in Deutschland ankommt, steht noch nicht fest – ein globaler Rollout ist laut TechCrunch bis Ende 2026 geplant.
So funktioniert die Suche
Statt eines leeren Suchfelds sehen Nutzer beim Öffnen der Suche vorgefertigte Stimmungs-Presets: „Ich brauche einen guten Film zum Weinen", „Hintergrundgeräusch" oder „Hilf mir, wach zu bleiben". Über eine neue „Ask"-Schaltfläche mit Mikrofon-Symbol lassen sich auch freie Sprachanfragen stellen.
Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Suche ist die semantische Verarbeitung. Die KI versteht den Sinn einer Anfrage, nicht nur Stichworte. Laut Digital Trends liefert die Suche auf vage Formulierungen wie „lustige Kinderserien über den Tod" oder „Filme nach einem langen Arbeitstag" überraschend treffsichere Ergebnisse.
Einschränkungen der Beta
Die aktuelle Version hat mehrere Grenzen. Die KI nimmt Sprachbefehle entgegen, antwortet aber nur mit Text auf dem Bildschirm – ein echtes Gespräch findet nicht statt. Außerdem berücksichtigt die Suche bisher keine persönliche Sehgeschichte: Sie durchsucht die gesamte Netflix-Bibliothek, ohne zu wissen, was der Nutzer bereits gesehen hat oder mag.
Wichtiger für den deutschen Markt: Die Funktion läuft derzeit nur auf Chromecast und Google TV einwandfrei. Auf Roku und FireTV funktioniert sie nicht – und das sind in vielen Haushalten hierzulande verbreitete Geräte. Netflix hat noch keinen Zeitplan für die Unterstützung dieser Plattformen genannt.
Konkurrenz und offene Fragen
Amazon Fire TV bietet bereits eine ähnliche KI-Sprachsuche für offene Anfragen an. Der Streamingdienst Tubi hatte eine vergleichbare ChatGPT-Funktion eingeführt, sie aber wegen geringer Nutzung wieder eingestellt – ein Hinweis darauf, dass solche Funktionen erst überzeugen müssen, bevor sie sich durchsetzen.
Für den deutschen Markt bleibt zudem offen, wie die OpenAI-Integration mit den Anforderungen des EU AI Acts vereinbar ist. Fragen zu Transparenzpflichten und Datenlokalisierung sind bislang ungeklärt. Netflix hat sich dazu nicht geäußert.
Wer die Funktion jetzt ausprobieren möchte, kann sich über die iOS-App für die Beta anmelden – sofern der Zugang freigeschaltet wird. Für alle anderen bleibt abzuwarten, ob die Suche bis Jahresende tatsächlich global ausgerollt wird.