Thailand-Route: Wie Nvidia-Chips trotz Exportverboten nach China gelangten

Thailand-Route: Wie Nvidia-Chips trotz Exportverboten nach China gelangten
Nvidia-Server im Rechenzentrum: Hochleistungs-GPUs stehen im Zentrum des Schmuggelfalls.. Quelle: Quelle: KI

Super Micros Mitgründer Yih-Shyan Liaw steht im Zentrum eines der größten Chip-Schmuggelfälle der jüngeren Geschichte: Laut einer exklusiven Recherche von Bloomberg soll er in den Jahren 2024 und 2025 Serverlieferungen im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar über die thailändische Scheinfirma OBON Corp nach China umgeleitet haben. Endabnehmer war demnach Alibaba – ein Konzern, dem US-Exportkontrollen eigentlich den Zugang zu Hochleistungs-KI-Hardware versperren sollten.

Der Weg des Chips

OBON Corp trat nach außen als Zulieferer für Thailands nationale KI-Initiative auf. Tatsächlich fungierte das Unternehmen als Durchlaufstation: Super-Micro-Server mit Nvidia-GPUs der Spitzenklasse wurden offiziell nach Thailand geliefert, von dort aber an chinesische Abnehmer weitergereicht. Das US-Justizministerium (DOJ) bezeichnete OBON in Gerichtsdokumenten zunächst nur als „Unternehmen 1" – Bloomberg identifizierte die Firma als erste öffentlich namentlich.

Liaw plädierte auf nicht schuldig. Super Micro selbst wurde nicht angeklagt; das Unternehmen kooperiert mit den Behörden und bezeichnet sich als Opfer. Für den Konzern ist es gleichwohl der dritte schwere Compliance-Skandal: 2024 legte Wirtschaftsprüfer EY das Mandat nieder, seitdem läuft zudem eine separate DOJ-Bilanzermittlung.

Nvidia-Server im Rechenzentrum: Hochleistungs-GPUs stehen im Zentrum des Schmuggelfalls.
Nvidia-Server im Rechenzentrum: Hochleistungs-GPUs stehen im Zentrum des Schmuggelfalls.

Systemversagen, keine Einzeltat

Der Fall offenbart mehr als kriminelle Energie einer Einzelperson. Exportkontrollen greifen nur so weit, wie Drittländer mitziehen – und Staaten, die sich als regionale IT-Drehscheibe positionieren wollen, haben eigene Interessen. Thailand ist dabei kein Einzelfall: Ähnliche Umgehungsrouten über Singapur, Malaysia und Vietnam sind seit Jahren bekannt, wie das East Asia Forum (Mar 11, 2026) dokumentiert.

Gleichzeitig sendet Washington widersprüchliche Signale: Die Trump-Administration öffnete Ende 2025 einen legalen Kanal für H200-Exporte nach China – mit 25 Prozent Zollaufschlag – während das DOJ zeitgleich illegalen Schmuggel verfolgt. Diese Inkonsistenz untergräbt die Glaubwürdigkeit des gesamten Kontrollsystems, wie CSIS (May 7, 2025) analysiert.

Was das für den deutschen Markt bedeutet

Hierzulande beziehen Unternehmen Server-Hardware überwiegend von US-Herstellern wie Super Micro, Dell oder HPE. Der Thailand-Fall zeigt: Compliance-Zertifizierungen entlang der Lieferkette sind nur so belastbar wie das schwächste Glied. Mittelständische deutsche Technologiezulieferer, die auf US-Exportlizenzen angewiesen sind, müssen im Zweifelsfall nachweisen können, dass ihre Vorlieferanten sauber sind.

Die EU-Regulierung – KI-Gesetz, Digital Markets Act, Digital Services Act – adressiert diese Umgehungsrisiken über Drittstaaten bislang nicht. KI-Initiativen von Bosch, Siemens oder Mistral bleiben abhängig von einer globalen Chip-Lieferkette, die der politischen Kontrolle einzelner Länder zunehmend entzieht.

Ob der Liaw-Fall weitere Anklagen nach sich zieht, ist offen. Für Compliance-Beauftragte in Deutschland gilt schon jetzt: Wer Lieferanten in Südostasien einbindet, trägt die Sorgfaltspflicht selbst.

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