Air France rüstet gegen GPS-Spoofing: Millionenbudget für sichere Navigation
GPS-Störungen im Luftraum sind längst kein Randproblem mehr. Air France investiert in den nächsten drei Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag – Berichten zufolge rund 44 Millionen Euro – in neue Navigationsempfänger für seine Langstreckenflotte. Hintergrund: Jamming und Spoofing von Satellitensignalen häufen sich in Konfliktregionen so stark, dass Piloten zunehmend auf Backup-Systeme ausweichen müssen.
Das Vorhaben
Im Mittelpunkt steht der Multi-Mode Receiver (MMR) des US-Herstellers Collins Aerospace. Dieses Gerät kombiniert Signale mehrerer Satellitensysteme – darunter GPS und das europäische Galileo – auf zwei Frequenzen gleichzeitig. Falsche Signale, die ein Flugzeug an einen anderen Ort versetzen sollen, lassen sich so deutlich zuverlässiger herausfiltern.
Den Anfang machen 14 Maschinen vom Typ Airbus A350, die bis Ende 2026 umgerüstet werden. Anschließend folgen alle 60 Boeing 777 der Flotte – der Abschluss ist für Ende 2027 geplant. Neu bestellte Flugzeuge sollen das System künftig bereits ab Werk erhalten.
Warum das Thema jetzt drängt
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat wiederholt vor der Zunahme von GNSS-Störungen gewarnt. Laut IATA-Daten stieg die Zahl der GPS-Signalverluste zwischen 2021 und 2024 um 220 Prozent. Im Jahr 2024 wurden mehr als 430.000 Jamming- und Spoofing-Vorfälle registriert – täglich waren 700 bis 1.350 Flüge betroffen. Besonders gefährlich sind Routen über Osteuropa und den Nahen Osten, wo elektronische Kriegsführung aktiv eingesetzt wird.
Wenn GPS-Signale ausfallen oder manipuliert werden, müssen Besatzungen auf Trägheitsnavigation oder bodengestützte Funkfeuer umschalten. Das kostet Zeit und Konzentration – beides kann in kritischen Flugphasen knapp werden.
Der größere Rahmen
Air France ist nicht allein. Auch Lufthansa plant ab 2026 GLU-2100-Updates für Airbus-A320- und erste A350-Flotten, mit weiteren Ausbaustufen bis 2030. EASA und IATA haben im Juni 2025 einen gemeinsamen Plan veröffentlicht, der neben Avionik-Modernisierungen auch verpflichtende Datenmeldungen bei GNSS-Vorfällen vorsieht.
Der Collins-MMR gilt inzwischen als Industriestandard in Europa. Dass er per Software-Update auf neue Bedrohungslagen reagieren kann, macht ihn besonders zukunftssicher – denn die Methoden der Signalstörer entwickeln sich ebenso schnell weiter wie die Schutzmaßnahmen dagegen.