„Sündenfreies" Netz: US-Anbieter startet christlichen Mobilfunk mit unveränderlicher Inhaltszensur

Von: Paul Schmitt | heute, 11:30

Ein neuer US-Mobilfunkanbieter hat am 5. Mai 2026 sein Netz geöffnet – mit einer Besonderheit, die in Europa schlicht nicht erlaubt wäre: Radiant Mobile sperrt Pornografie fest auf Netzwerkebene, ohne Abschaltoption für irgendjemanden. Nicht einmal volljährige Nutzer können diesen Filter entfernen. Netzwerkforscher der Northeastern University bezeichnen dies als den ersten derartigen Fall eines US-Mobilfunkanbieters überhaupt, wie Cybercorsairs berichtet.

Das Angebot

Radiant Mobile ist ein sogenannter MVNO – ein virtueller Netzbetreiber ohne eigene Sendemasten. Das Unternehmen mietet Kapazitäten im T-Mobile-5G-Netz, das jedoch öffentlich jeden direkten Zusammenhang abstreitet. T-Mobile gibt an, ausschließlich über den Zwischenhändler CompaxDigital zu arbeiten – eine Konstruktion, die den Mutternetzbetreiber rechtlich von den Filterentscheidungen abschirmt.

Der monatliche Grundpreis liegt bei 29,99 US-Dollar (umgerechnet rund 28 Euro) für unbegrenzte Gespräche, SMS und Daten. Zur Nutzergewinnung setzt Gründer Paul Fisher – ehemaliger Modeagent, kein Telekommunikationsfachmann – auf Kirchengemeinden: Ein Teil der monatlichen Gebühr fließt direkt an die selbst gewählte Gemeinde des Abonnenten.

Die Filterlogik

Die dauerhafte Pornografie-Sperre ist nicht verhandelbar. Zusätzlich ist standardmäßig ein Filter für Inhalte zu Geschlechtsidentität und Transgender aktiviert. Dieser lässt sich theoretisch deaktivieren – die Pornografieblockade hingegen nicht. Für die technische Umsetzung sorgt das israelische Unternehmen Allot, dessen Domänenkategorisierungssystem bei über 500 Mobilfunkanbietern weltweit im Einsatz ist, wie HNGN erklärt.

Das Problem: Solche kategoriebasierten Filter blockieren häufig mehr als beabsichtigt. Laut MIT Technology Review können einzelne Unterseiten legitimer Gesundheits-, Nachrichten- oder Bildungsportale gesperrt werden – ein Beispiel ist eine Unterseite der Yale University zum Thema Trans-Gesundheit. Ein öffentliches Einspruchsverfahren bei Fehlklassifizierungen existiert bislang nicht.

Das regulatorische Vakuum

In Deutschland und der gesamten EU wäre ein solches Modell in dieser Form kaum durchsetzbar. Der Digital Services Act (DSA) verpflichtet Anbieter zu Transparenz und Verhältnismäßigkeit bei Inhaltsbeschränkungen; eine pauschale, ideologisch begründete Dauersperre auf Infrastrukturebene widerspricht diesen Grundsätzen. In den USA hat die FCC bislang keine Stellung dazu bezogen, ob derartige unveränderliche Netzwerksperren durch private MVNO-Betreiber überhaupt zulässig sind.

Gründer Fisher hat Expansionspläne nach Südkorea und Mexiko geäußert. Wie das Modell dort mit den jeweiligen Gesetzen zur Informationsfreiheit vereinbar wäre, bleibt offen.