Honor holt sich ARRI: Münchner Kamera-Legende kooperiert mit dem Robot Phone
Honor und ARRI haben eine strategische Zusammenarbeit angekündigt, die Kinofarbwissenschaft erstmals in ein Smartphone überträgt. Die Münchner Firma ARRI – mit mehr als 100 Jahren Geschichte, über 20 Academy Awards und der ALEXA-Kameraserie als Industriestandard in Hollywood – integriert ihr sogenanntes Image-Science-Know-how in das kommende Honor Robot Phone. Das Gerät soll Ende 2026 erscheinen, zunächst in China.
Das Gerät
Das Robot Phone ist kein gewöhnliches Smartphone. Es trägt einen 200-Megapixel-Sensor in einem Gimbal-System mit vier Freiheitsgraden – einem mechanischen Stabilisierungsmechanismus, der Verwacklungen in alle Richtungen ausgleicht. Der dafür verwendete Mikromotor ist laut Honor-CEO James Li 70 Prozent kleiner als vergleichbare Motoren am Markt. Ergänzt wird die Mechanik durch KI-gestütztes Objekttracking und eine sogenannte SpinShot-Funktion für kreative Kamerabewegungen. Die ARRI-Integration betrifft vor allem die Farbwissenschaft: Algorithmen, die auf den Prinzipien der ALEXA-Systeme basieren, sollen das gefilmte Bild näher an kinematografische Standards bringen – ohne aufwendige Nachbearbeitung.
Warum ARRI Honor wählte
Honor-Produktmanager Luo Wei berichtete, dass ARRI beim Gespräch im März auch von einem anderen großen Smartphone-Hersteller kontaktiert worden war. Nach einem Audit der Produktionskapazitäten in China entschieden sich die Münchner Ingenieure jedoch für Honor – wegen der stärkeren technischen Grundlage für ihre anspruchsvollen Bildverarbeitungsanforderungen. Laut CineD-Analyse beschreibt ARRI-Vizepräsident Benedikt von Lindeiner die Herausforderung offen: Kleinere Sensoren, integrierte Chips und kompaktere Optiken setzen der Übertragung von Kinotechnik klare Grenzen. Das offizielle Communiqué von ARRI bestätigt, dass zentrale Image-Science-Prinzipien aus den ALEXA-Systemen direkt in die mobile Bildverarbeitungspipeline einfließen.
Verfügbarkeit und Einordnung
Für Deutschland oder andere europäische Märkte gibt es bislang keine Ankündigung zu Verfügbarkeit oder Preis. Der China-Start ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant; ob und wann das Gerät hierzulande erhältlich sein wird, ist offen. Wer auf Pro-Video-Funktionen setzt, greift aktuell zu Samsung Galaxy S25 Ultra oder iPhone 16 Pro – beide Geräte sind etabliert, bieten aber keine mechanische Gimbal-Lösung dieser Art. Das Robot Phone schlägt einen anderen Weg ein: mehr Mechanik, weniger Software-Kompromiss. Ob das in der Praxis hält, was ARRI und Honor versprechen, wird erst ein Hands-on zeigen.