GameStop bietet 56 Milliarden Dollar für eBay – Meme-Stock wird zum Übernahmekandidat

Von: Paul Schmitt | heute, 09:40

GameStop hat ein unaufgefordertes Übernahmeangebot für eBay in Höhe von 56 Milliarden Dollar vorgelegt – 125 Dollar je Aktie, rund 20 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Das Angebot setzt sich je zur Hälfte aus Barzahlung und Aktientausch zusammen. Dahinter steckt GameStop-Chef Ryan Cohen, der aus dem einstigen Meme-Stock-Konzern einen ernsthaften E-Commerce-Player formen will.

Die Strategie

Cohen plant, die physische Infrastruktur von GameStop mit der digitalen Reichweite von eBay zu verbinden. Die rund 1.600 US-Filialen sollen zu Anlaufstellen für Echtheitsprüfung und Warenversand werden – besonders relevant für Sammlermarkt und Gebrauchtelectronik, wo Käufer auf vertrauenswürdige Verifizierung angewiesen sind. Cohen will laut CNBC innerhalb von zwölf Monaten jährliche Kosteneinsparungen von zwei Milliarden Dollar erzielen – darunter 1,2 Milliarden im Marketing, 500 Millionen in der Verwaltung und 300 Millionen im Produktbereich. Das Modell erinnert an Cohens früheres Unternehmen Chewy, das er konsequent auf operative Effizienz trimmt.

eBays Marktvolumen (GMV) ist derweil von 100 Milliarden Dollar im Jahr 2020 auf 79,6 Milliarden Dollar im Jahr 2025 gefallen. Cohen sieht darin eine Schwäche, die sich mit seiner Playbook-Strategie beheben lässt.

Die Finanzierungslücke

Hier liegt der größte Knackpunkt. GameStop hat einen Börsenwert von rund zwölf Milliarden Dollar und hält etwa 9,4 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. TD Bank hat eine nicht bindende Finanzierungszusage über 20 Milliarden Dollar ausgestellt, wie Bloomberg berichtet. Das ergibt zusammen 29,4 Milliarden – für 56 Milliarden Dollar fehlen also noch rund 27 Milliarden. Diese Lücke lässt sich realistisch nur durch massive Aktienemission oder Kapital aus Staatsfonds schließen, beides mit erheblichen Risiken für bestehende Aktionäre.

Bloomberg Intelligence bewertet die Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses als gering – eBay-Aktien stiegen nach Bekanntgabe lediglich um rund 13 Prozent, obwohl der gebotene Aufschlag bei 20 Prozent liegt. Der Markt glaubt also nicht unbedingt daran, dass das Geschäft zustande kommt.

Nächste Schritte

Cohen hält bereits fünf Prozent der eBay-Aktien und hat angekündigt, im Fall einer Ablehnung einen Proxy-Kampf zu führen – also Aktionäre direkt zu mobilisieren, um den Vorstand zu ersetzen. Auf dem deutschen Markt ist eBay die Nummer drei hinter Amazon und Zalando; lokale Wettbewerber wie Kleinanzeigen und Vinted wachsen weiter. Welche konkreten Synergien eine Zusammenführung hierzulande brächte, bleibt offen. Hinzu kommt: Eine kombinierte Einheit dieser Größe müsste in der EU die Anforderungen des Digital Markets Act und des Digital Services Act erfüllen – ein nicht zu unterschätzender Integrationsaufwand.